📋 Diese Analyse basiert auf der Beispiel-Persona Stefan Hofer aus Suhr (AG). → Zum Persona-Profil

Analyse: Inflationsgeschützte Entnahme

Dynamische Entnahme ("Kaufkraft-Erhalt") vs. Kapitalverzehr

Das Szenario:
Startkapital: 550'000 CHF (Netto nach Steuer (Suhr, AG)).
Start-Entnahme: 27'500 CHF (5%).
Dynamik: Die Auszahlung steigt jährlich um 2.0% (angenommene Inflation, Planungsannahme vacatum.ch), damit Stefan Hofer sich auch mit 80 noch gleich viel leisten kann wie heute.

1. Die Mechanik des Kapitalverzehrs

Da Stefan Hofers Portfolio (angenommen 3.0% Rendite) nicht genug abwirft, um 5% Auszahlung PLUS 2.0% Erhöhung zu decken (Totalbedarf 7%), muss das Stammkapital aufgebraucht werden — und zwar deutlich schneller als langsam.

Alter (Jahresende) Jahr Stefan Hofers "Rente" (steigend) Kapital (Jahresende, nach Bezug am Jahresanfang) Status
60 Start 27'500 CHF 550'000 CHF 100% Kapital
65 5 29'767 CHF 481'266 CHF ~88% erhalten
70 10 32'865 CHF 385'313 CHF ~70% erhalten
75 15 36'286 CHF 256'111 CHF Verzehr beschleunigt sich (~47%)
80 20 40'062 CHF 86'497 CHF ~16% erhalten
82 22 41'681 CHF 5'481 CHF ~1% erhalten
83 23 42'514 CHF benötigt, nur 5'481 vorhanden 0 CHF Kapital aufgebraucht
85 25 44'232 CHF benötigt 0 CHF aufgebraucht
90 30 48'836 CHF benötigt 0 CHF aufgebraucht

Annahmen: Portfolio-Rendite 3.0% netto p.a. (konstant), Inflation 2.0% p.a. — beides Planungsannahmen von vacatum.ch, keine Prognose. Die Inflationsannahme liegt an der Obergrenze der SNB-Definition von Preisstabilität (Anstieg des LIK von weniger als 2 % pro Jahr); das Mittel 1980–2025 lag bei 1.5% pro Jahr (BFS, LIK-Jahresmittel).
Rechenweg: Jahr 1 ist das erste Rentenjahr (von Alter 60 bis 61); die Altersangaben in Tabelle und Text nennen das Alter am Ende des Jahres. Die Rente wird am Jahresanfang bezogen und steigt jedes Jahr um die Inflation (Rente im Jahr n = 27'500 × 1.02n−1); das verbleibende Kapital rentiert bis Jahresende: Kapitaln = (Kapitaln−1 − Renten) × 1.03. Ohne Steuern auf Erträgen und ohne Kosten. Bei Bezug am Jahresende wäre das Kapital ebenfalls im 23. Jahr aufgebraucht (Ende Jahr 22: 36'017 CHF).

2. Bewertung: Ist das sinnvoll?

Vorteile (Pro)

  • Lebensstandard: Stefan Hofer kann sich im Alter 80 noch genauso viel leisten wie heute — solange das Kapital reicht, also bis Alter 82. Ohne Anpassung würde er real verarmen.
  • Sicherheit: Nicht gegeben: Das Kapital reicht nicht bis zum Planungsalter 90. Ende Jahr 22 (Alter 82) sind noch 5'481 CHF übrig, im 23. Jahr ist es aufgebraucht.
  • Flexibilität: Sollte Stefan Hofer weniger brauchen, schrumpft das Kapital langsamer; wieder wachsen würde es erst, wenn er weniger als die Rendite (rund 3.0% des Kapitals) bezieht.

Nachteile (Contra)

  • Das Erbe verschwindet: Statt 550k bleibt den Erben im Alter 85 nichts — das Kapital ist im 23. Jahr (zwischen Alter 82 und 83) aufgebraucht.
  • Sequence of Returns Risiko: Wenn die Börse in den ersten Jahren schlecht läuft, schmilzt das Kapital schneller als in dieser Tabelle (da du höhere Beträge aus einem geschrumpften Topf nimmst).

3. Vergleich zur PK-Rente (ohne Inflationsschutz)

Die PK-Rente bleibt fix bei 26'460 CHF (4.41 % Umwandlungssatz auf das Brutto-Kapital von 600'000 CHF, wie im Vergleich Kapital oder Rente). Was ist die in 20 Jahren noch wert?

Im Jahr 2047 (Alter 80):
Die PK-Rente von Stefan Hofer: 26'460 CHF (Nominal)
Reale Kaufkraft (bei 2.0% Inflation): ~ 17'800 CHF (26'460 / 1.0220)
Stefan Hofer verliert ca. 33% seiner Kaufkraft!

Fazit & Empfehlung

Den Inflationsausgleich einzubauen ist absolut sinnvoll und notwendig. Die Gefahr der schleichenden Geldentwertung wird bei Renten oft unterschätzt.

Die schlechte Nachricht: Startet Stefan Hofer mit CHF 550'000, 5% Entnahme und 3.0% Rendite, ist der "Preis" nicht verkraftbar: Steigt die Auszahlung jedes Jahr mit der Teuerung, ist das Kapital im 23. Jahr (zwischen Alter 82 und 83) aufgebraucht — für die Erben bleibt nichts, und die letzten Lebensjahre sind nicht finanziert.

Was trägt: Damit die teuerungsangepasste Entnahme bis Alter 90 (30 Jahre) reicht, dürfte sie mit denselben Annahmen höchstens rund 21'000 CHF im ersten Jahr betragen (3.8 % statt 5 %) — danach ist das Kapital aber ebenfalls aufgebraucht. Mehr Spielraum entsteht nur, wenn ein Teil des Bedarfs anderweitig gedeckt ist (zum Beispiel durch die AHV ab 65) oder die Rendite höher ausfällt — mit entsprechend höherem Risiko.

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