Übung: Passphrase auf der BitBox02

Anwendung & Übungen Dauer etwa 20 Minuten Gerät: BitBox02

Lernziel. Du schaltest die optionale Passphrase ein, öffnest damit ein zweites, unsichtbares Wallet, machst die Gegenprobe mit der leeren Passphrase und prüfst, ob du beide Wallets wiederher­stellen könntest. Am Ende weisst du, warum deine microSD-Sicherung allein dafür nicht reicht.

Worum es geht

Deine BitBox02 leitet alle Adressen aus ihren Wiederherstellungswörtern ab — ab Werk 24, wahlweise 12 (BitBox Support); diese Übung geht von zwölf Wörtern aus. Wer diese zwölf Wörter hat, hat das Geld — daran ändert die Geräte-PIN nichts, denn die schützt nur das Gerät, nicht den Seed (BitBox nennt sie «Gerätepasswort», BitBox Support).

Die Passphrase hängt eine frei gewählte Zeichenfolge an diesen Seed an. Daraus entsteht ein vollständig eigenes Wallet mit eigenen Adressen. Es ist kein versteckter Ordner im bestehenden Wallet, sondern rechnerisch ein anderes Wallet — und von aussen ist nicht erkennbar, ob es existiert (BIP 39).

Das ist der entscheidende Punkt: Wer dich zwingt, das Gerät zu entsperren, sieht das Standard-Wallet. Dass daneben ein zweites besteht, lässt sich an der Sicherung nicht ablesen. Das Gerät verrät nur, dass die Passphrase-Funktion eingeschaltet ist — es fragt nach dem Entsperren danach —, nicht aber, ob ein zweites Wallet benutzt wird (BitBox Support).

Bevor du anfängst. Übe das mit einem leeren Wallet oder einem Kleinstbetrag. Eine vergessene Passphrase ist endgültig: Es gibt niemanden, der sie zurücksetzen kann — auch Shift Crypto nicht (BitBox Support).

Vorbereitung

  1. Die Passphrase wählen und sichern

    Wähle eine Zeichenfolge, die du dir sicher merkst und die niemand errät. Kein Geburtsdatum, kein Name aus deinem Umfeld. Vier zufällige Wörter sind besser als ein verfremdetes Wort.

    Schreib sie von Hand auf und lege sie getrennt von den zwölf Wörtern ab. Nicht am selben Ort: Sonst hast du dir viel Mühe gemacht, um beides in dieselbe Schublade zu legen.

    Kontrolle: Gross- und Kleinschreibung, Leerzeichen und Sonderzeichen zählen. „Bergsee" und „bergsee" öffnen zwei verschiedene Wallets (BitBox Support).
  2. Die Funktion einschalten

    Die Passphrase ist ab Werk aus. In der BitBoxApp: Einstellungen → Gerät verwalten → Optionale Passphrase aktivieren. Je nach App-Version liegt der Schalter eine Ebene tiefer, unter «Expert settings → Passphrase» bzw. «Wallet» (BitBox Support, BitBox Support).

    Die App zeigt einen Warnhinweis, den du auf dem Gerät bestätigen musst. Danach fragt die BitBox02 bei jedem Entsperren nach der Passphrase (BitBox Support) — das ist der Unterschied zum Ledger, der sie wahlweise an eine zweite PIN koppelt (Ledger Support).

    Kontrolle: Gerät abziehen, neu anstecken, PIN eingeben. Es erscheint jetzt zusätzlich die Abfrage nach der Passphrase.
  3. Das versteckte Wallet öffnen

    Gib die Passphrase auf dem Gerät ein, nicht am Rechner. Genau das ist der Sinn der Sache: Ein Schadprogramm auf dem Rechner sieht sie nie (BitBox Support).

    Die BitBox02 zeigt dir die eingegebene Zeichenfolge vor dem Bestätigen noch einmal an (BitBox Support). Lies sie Zeichen für Zeichen — ein Tippfehler führt lautlos in ein anderes, leeres Wallet, ohne Fehlermeldung.

    Kontrolle: In der BitBoxApp steht ein Bitcoin-Konto mit Saldo 0 und einer Empfangsadresse, die du vorher nie gesehen hast. Notiere die ersten und letzten vier Zeichen dieser Adresse auf deinem Blatt.
  4. Die Gegenprobe

    Gerät abziehen, neu anstecken, PIN eingeben — und bei der Passphrase-Abfrage nichts eingeben, nur bestätigen.

    Eine leere Passphrase führt zum ursprünglichen Wallet. Du siehst deine gewohnten Adressen und deinen gewohnten Saldo (BitBox Support).

    Kontrolle: Die Empfangsadresse ist eine andere als die aus Schritt 3. Wären beide gleich, hättest du die Passphrase nicht wirksam gesetzt.
  5. Die Wiederherstellung durchdenken

    Das ist der Schritt, den die meisten überspringen — und der einzige, der im Ernstfall zählt.

    Deine microSD-Sicherung und die zwölf Wörter enthalten nur den Seed. Die Passphrase steht dort nicht drin und wird auch nirgends im Gerät gespeichert. Aus Sicherung allein bekommst du also das Standard-Wallet zurück — und sonst nichts (BitBox Support).

    Geh die Fälle einmal durch: Gerät verloren, Sicherung da, Passphrase im Kopf → alles wiederherstellbar. Gerät und Passphrase weg, nur Sicherung da → das versteckte Wallet ist verloren, endgültig.

    Kontrolle: Beantworte für dich schriftlich: Wer ausser dir käme an das versteckte Wallet, wenn dir heute etwas zustösst? Wenn die Antwort „niemand" lautet, ist das eine Entscheidung — aber sie sollte bewusst getroffen sein.

BitBox02 und Ledger im Vergleich

  BitBox02 Ledger
Standardzustand ausgeschaltet, muss aktiviert werden ausgeschaltet, muss aktiviert werden
Abfrage bei jedem Entsperren nach der PIN wahlweise dauerhaft an eine zweite PIN gekoppelt
Eingabe auf dem Gerät auf dem Gerät
Konto in der App erscheint automatisch muss von Hand hinzugefügt werden
Standard BIP39 — dieselben Wörter mit derselben Passphrase ergeben auf jedem kompatiblen Wallet denselben Seed und, bei gleichem Ableitungspfad und Adresstyp, dasselbe Konto (BIP 39; BitBox, Ledger)
Der häufigste Fehler. Ein Betrag wird ins versteckte Wallet geschickt, die Passphrase aber nur im Kopf behalten — „die vergesse ich nie". Nach zwei Jahren ohne Zugriff stimmt das erfahrungsgemäss nicht mehr. Eine Passphrase ohne belastbaren Notfallplan ist kein Schutz, sondern ein zusätzliches Risiko. Wie so ein Plan aussieht, steht im Notfallplan.

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