Analyse eines populären Mythos.
Im "Goldenen Zeitalter" der Niederlande wurden Tulpen zum ultimativen Statussymbol. Besonders die durch Viren (Potyviren wie das Tulip-breaking virus) gezeichneten "geflammten" Sorten (wie die Semper Augustus) waren extrem selten (Virology Blog, Vincent Racaniello).
Das Kernproblem war der "Windhandel":
Nach der ersten Februarwoche 1637 brach der Handel zusammen. Die Abwicklung offener Verträge blieb lange unklar; Haarlem erlaubte Käufern im Mai 1638, einen Vertrag gegen Zahlung von 3.5 % des Kontraktpreises aufzulösen (Garber, Journal of Political Economy 1989, S. 549–550). Wie stark die Preise fielen, ist umstritten: Die einfache Sorte Witte Croonen kostete 1642/43 rund 98 % weniger als am 5. Februar 1637, teure Sorten verloren deutlich weniger (ebd., Tabelle 1). Da es kein globales Netzwerk gab, blieb der Crash lokal und endgültig.
Skeptiker nutzen den Vergleich oft, um Volatilität zu kritisieren. Einschätzung der Redaktion: Die Struktur unterscheidet sich in wesentlichen Merkmalen:
| Metrik | Tulpenmanie | Bitcoin (Hard Money) |
|---|---|---|
| Knappheit | Biologisch variabel (Anbau möglich) | Im Code begrenzt (21 Mio. Hardcap, Quellcode, GetBlockSubsidy) |
| Verifizierung | Erfordert Experten/Vertrauen | Ohne Vertrauen in Dritte (jeder Node prüft die Regeln selbst) |
| Transport | Schwer, Risiko von Beschädigung | Weltweit in Minuten (ein neuer Block im Mittel alle 10 Minuten, siehe Blockzeit) |
| Lebensdauer | Verrottet / Stirbt | Unbegrenzt, solange das Netzwerk betrieben wird (Information auf der Blockchain) |
"Für das Nicht-Verderbliche gilt: Jedes Jahr, das es überlebt, erhöht seine Lebenserwartung um ein weiteres Jahr." (sinngemäss nach Nassim N. Taleb, Antifragile, 2012; Übersicht, Wikipedia)
Eine Blase platzt und verschwindet (wie Tulpen). Bitcoin ist nach 4 massiven Crashs (rund 77–93 %: 2011, 2013–2015, 2017–2018, 2021–2022; Übersicht, Sekundärquelle; nachgerechnet mit den Tageskursen der Coin Metrics Community API: −93 %, −85 %, −84 %, −77 %) immer wieder zurückgekehrt und hat danach jeweils neue Höchststände erreicht. Einschätzung der Redaktion: Zu einer Blase, die platzt und verschwindet, passt dieses Muster nicht; eine Garantie für die Zukunft ist es nicht.
Die Tulpenspekulation von 1636/37 endete abrupt (Garber 1989). Der Bitcoin-Preis lässt sich dagegen seit über 15 Jahren gut mit einer Power Law Skalierung beschreiben (Modell von Giovanni Santostasi; Santostasi & Perrenod 2026).
Einschätzung der Redaktion: Das spricht eher für die schrittweise Verbreitung eines neuen globalen Netzwerks – ähnlich wie beim Ausbau des Internets, des Telefons oder des Stromnetzes – als für eine Blase. Ein Beweis ist es nicht.